Ich moderiere in Schloß Charlottenburg als Hans…

…Bogislav Graf von Schwerin

Seit Mai 2010 nehme ich in der Grossen Orangerie zu Schloss Charlottenburg in Berlin hin und wieder die Gestalt des Grafen von Schwerin an. Ich springe allenthalben kurzfristig für dero allergnädigste Majestät König Friedrich II von Preussen ein, der seine Gäste bei Hofe nicht selten vor den Kopf zu stossen droht, weil es ihm plötzlich gefällt, sich vom Gewimmel fernzuhalten und etwa lieber eine Spargellieferung ins Feldlager nach Ruppin zu begutachten.

Was kaum einer weiss: die vertraute Bekanntschaft mit dem König reicht zurück bis in die Zeit zu Rheinsberg, als der damalige Kronprinz sich noch bei den allabendlichen Tafelrunden an philosophischem Geplänkel und Musik erquickte. Curt Cristoph von S., mein Bruder, vielen noch aus den Schlesischen Kriegen als bravouröser Generalfeldmarschall ein Begriff, hat mich seinerzeit in diesen königlichen Kreis eingeführt, so die Legende. Ich war also der kleine Bruder, der seinen Schliff im Gefecht auf dem Schlachtfeld der Worte und des Denkens dort erhielt, wo einem Friedrich noch nach kontroversem Austausche der Sinn stand, so er denn eloquenten Formates war.

Der Dank hatte zwei Seiten: Ich ging in diplomatischen Dienst mit Angleterre, bekomme nun aber hin und wann statt des Degens den Zeremonienstab in die Hand gedrück, wenn dem König gerade nicht nach höfischem Geplänket zumute ist.

Hier im Schlosse gilt es nun, den Gastgeber würdig zu vertrten. Es soll nicht zum Schaden der Gäste sein, denen immerhin neben mancher Anekdote auch Fritzens Lieblingsspeise aufgetischt und hernach ein Barockkonzert geboten wird, das sich hören lassen kann. Mit guter Miene halte ich also in anmutiger Moderation eine Schar von manchmal mehr als 200 Gästen im Zaume und – dem preussischen Hofe gewogen.

so gut das eben geht

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Georg Trakl ab 27 März on stage im Theater unterm Dach in Berlin

Die nächsten Termine für „Der Schwester Schatten“ im TuD Berlin:
im Mai: Sa. 8. und So. 9.
im Juni voraussichtlich: Do. 3. und Fr. 4. sowie am Sa. 19. und So., den 20.06.2010
Weitergespielt wird dann im Theater unterm Dach frühestens ab September.
In der Zeitung „Neues Deutschland“ heisst es über die Inszenierung:
Von Lucía Tirado 07.05.2010 / Berlin / Brandenburg

 

Mich der Hölle zu entziehen

Ein Porträt des Dichters Georg Trakl im Theater unterm Dach

Alles passt so wunderbar zusammen in dem Stück über den Dichter, der mit dieser Welt nicht klar kam und sich nicht heimisch fühlte. Das Licht, die auf den Hintergrund der Bühne projizierten Bilder, die Kostüme, die Musik und die auf verschiedene Art genutzten schwarzen dreiteiligen Stellwände, die Zuflucht, Bank, Sarg, sogar Buch sein können. Dazwischen der sich wie rasend verbrauchende Dichter, gequält von verbotenen Gefühlen für seine jüngere Schwester Grete, gepeinigt durch Drogensucht, Ängste, Depressionen und das daraus folgende gestörte Sozialverhalten.

Das berührende Stück »Der Schwester Schatten« erzählt in 90 Minuten vom traurigen Leben Georg Trakls, der von 1887 bis 1914 lebte. Regisseurin Ingrun Aran, die Literatur und Psychologie studierte, inszenierte das Stück mit Schauspielern der Gruppe Okapi Productions in einer Art, die den Zuschauer in Distanz zum Geschehen lässt. Das Leid bleibt beim Dichter, wenn sie seine wichtigsten Lebensstationen beschreibt. So ist die Inszenierung im Theater unterm Dach kein Trauerspiel. Die wenigen Momente, in denen deutlich wird, wie intensiv Trakl Freude und Glück erlebt, sind so stark, dass man das Gefühl bekommt, sie würden ihn ein Stück Weg tragen. Dennoch ist sein Werk von dunkler Stimmung und Abschied geprägt, sei es von Menschen oder gar vom Leben.

Felix Würgler lebt Trakl auf der Bühne als den mit sich selbst ringenden, ständig erschöpften Menschen, der immer wieder sagt: »Ich habe nicht das Recht, mich der Hölle zu entziehen.« Glaubwürdig ist in seinem Spiel, dass dieser sich quälende Mann sich durch seinen Drogenkonsum für den Rest der Welt unerreichbar macht, dabei seine stärksten Werke schafft und sein Leben verbrennt. Leonie Brandis verkörpert die jüngere Schwester Margarethe unnahbar. Gut zeigt sie, wie Grete mitunter mit dem Bruder geradezu herzlos spielt. Aber sie verdeutlicht auch, wie diese junge Frau leidet und sich vor ihrem Bruder in Sicherheit bringt.

Wenn sich beide an Kinderjahre erinnern, dann an eine auch wegen Opiums oft tagelang nicht ansprechbar Mutter und an die Gouvernante, die beide Kinder erzog. Zwischen Bruder und Schwester hin und her gerissen wird der gemeinsame Freund Erhard Buschbeck, der auch immer wieder herhalten muss, wenn das Geld knapp wird, es aber nie zurückbekommt, weil Trakl zu stolz ist, die Gabe eines Mäzens anzunehmen. In dieser Rolle sieht man Henning Bormann. Er spielt, wie der Freund als einziger die Bodenhaftung behält, gleichzeitig jedoch mit in den dunklen Strudel der Ereignisse gezogen wird, wie der sich aufopfert und sich gleichzeitig von der Kreativität Trakls nährt. Die Inszenierung erlangt ihre poetische Schönheit schließlich durch die Traklsche Dichtung, die von der Regisseurin wirkungsvoll eingesetzt wird. Aktualitätsbezüge braucht dieses Stück nicht. Dennoch ergibt sich einer durch den nicht geklärten Tod des Dichters. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wird Trakl als Militärapotheker eingezogen. Er erlebt die Schlacht bei Grodek und verzweifelt daran, dass er unter schwersten Bedingungen den vielen schwer Verwundeten im Lazarett unter den herrschenden schlechten Bedingungen kaum helfen kann. Er verarbeitet seine Erlebnisse noch im Gedicht »Grodek« und erleidet einen Zusammenbruch. Das Unmenschliche des Krieges bringt den ohnehin schwermütigen Dichter um.

8. und 9. Mai, 20 Uhr, Theater unterm Dach, Danziger Str. 101, Prenzlauer Berg, Tel.: 902 95 38 17

 

Meine nächste Premiere findet ebenfalls in Berlin statt.

Grodek.mp3
frisch in Wien.mp3

Fotos: Jakobine Motz aus DER SCHWESTER SCHATTEN2010

Seit Januar probe ich mit Henning Bormann und Leonie Brandis unter den multimedial geschulten Regieaugen von Ingrun Aran an der Uraufführung von Der Schwester Schatten, einer Szenerie, wie die Autorin Inka Bach es nennt, über das Leben und Sterben des EinmalDichters Georg Trakl, der, wäre er nicht mit Mitte 20 an einer Kokainüberdosis in einem Militärlazarett eingegangen, in 4 Jahren 100 Jahre alt werden hätte können….

Eine verhängnisvolle ménage à trois
Georg, seine Schwester Grete und ihr gemeinsamer Freund Erhard studieren in Wien. Drogenexzesse und die heimliche Liebe der Geschwister entwickeln in dieser Zeit kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges ihre zerstörerischen Kräfte. Es ist aber auch die Zeit, in der Georg einige seiner schönsten Gedichte schreibt.

Georg Trakl, dessen 100. Todestag sich 2014 jährt und der mit visionärer Sprachkraft Gedichte schrieb, die einzigartig sind in der deutschsprachigen Literatur, blieb zeitlebens ein Fremder in der Welt und gezeichnet vom Verhängnis der inzestuösen Liebe zu seiner viereinhalb Jahre jüngeren Schwester Grete.

Inka Bachs Theaterstück zeigt ein verhängnisvolles Künstlerschicksal am Vorabend des Ersten Weltkrieges und beabsichtigt keine vorschnelle Aneignung der Traklschen Dichtung durch die Biographie. Gleichwohl werden in der Inszenierung von Ingrun Aran Elemente der Traklschen Dichtung in Rhythmus, Klang und Visualisierung transponiert.

Team
regie/bühne Ingrun Aran
buch/dramaturgie Inka Bach
spiel Felix Würgler, Leonie Brandis, Henning Bormann
kamera Jakobine Motz, Markus Noymann
musik Torsten Sense
musik/sounddesign Helmut Mittermaier
ton Simon Franzkowiak
kostüm Antje Schnier
regieassistenz: Vincent Carrey

Premiere 27. März 2010
20.00 Uhr

VORSTELLUNGEN
28.März
15.-16. April
8.-9. Mai

10. April (in Ausschnitten bei der langen Nacht der Theater)

Theater unterm Dach
Danziger Str. 101 – 10405 Berlin
T. 030 – 90295 3817
Karten: 8€; erm. 5€

gefördert durch
BA Pankow von Berlin, Amt für Kultur und Bildung, Fachbereich Kultur
Künstlerdorf Schöppingen
Kulturforums Österreich
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Wer spricht da und wer handelt: ICH und niemand sonst

 

2009 bis 2010

bin ich viel in Berlin. Ich lerne Judith von Radetzky kennen, die ihre langjährige Berufserfahrung als Schauspielerin um ein Regiestudium der besonderen Art ergänzt hat: 4 Jahre lang hat sie bei Anatolij Wasiljev in Lyon gelernt, wie aus dem Spiel auf der Bühne, der Rolle und der Figur im bisherig verstandenen Sinne ganz anders herum ein „Schuh“ wird, der viel besser passt.

J.v.R. ist zur Zeit wohl die einzige Vertreterin, die, selbst mit langjähriger Bühnenerfahrung, nun in Berlin versucht, diese Arbeitsweise für das Theater an den Schauspieler und die Schauspielerin zu bringen. In jahrelanger Etüdenarbeit hat sie nun einen Kreis Begeisterter um sich geschart, die am 10. Februar 2010 nun endlich mit einer Inszenierung von Schillers LOUISE MILLERIN auf die Bühne und an die Öffentlichkeit getreten sind – 6 Vorstellungen, alle voll und eine ermunternde Resonanz – Ich spiele den Miller.

Das Neue Deutschland schrieb:

„Sturm und Drang im Theaterlabor
Friedrich Schillers »Louise Millerin« wurde minimalistisch und kraftvoll am Ballhaus Ost inszeniert
Zwei Stühle und drei halbtransparente Stellwände, mehr Bühnenbild ist nicht. Während das Deutsche Theater die Protagonisten in Schillers »Kabale und Liebe« in und an einem hölzernen Kasten mit unzähligen Türen herumturnen lässt, herrscht bei der Inszenierung des selben Stücks im Ballhaus Ost Minimalismus pur. Unter dem ursprünglichen Titel »Louise Millerin« erzählt Regisseurin Judith von Radetzky den Klassiker als leidenschaftliches Sturm- und Drangstück mit komischen Momenten.

Mit dem 4. Stock des Ballhaus’ Ost, wo es keine Bühne gibt und kein Podest, sondern die Schauspieler direkt vor den Zuschauern agieren, haben sich Judith von Radetzky und ihr Grafit-Theaterlabor für einen intimen Rahmen entschieden, der kaum Abstand zulässt. Umso intensiver wirkt das kraftvolle, körperbetonte Spiel der Darsteller, die gute drei Stunden lang die abgewetzten Dielen mit energischen Schritten, verliebtem Getänzel, Freudensprüngen und hasserfülltem Kampf zum Knarren bringen.
»Maximale Lebendigkeit und Wahrhaftigkeit des Spiels« strebt die Truppe an, die sich als Labor im eigentlichen Sinne versteht: Gründliche Recherchen und langes Experimentieren während der Proben gingen der Aufführung voraus, die durchaus weitere Änderungen erfahren kann – jede Vorstellung soll die aktuelle Entwicklungsphase zeigen.
Das klingt recht trocken, doch dieser Vorwurf wäre ungerecht. Ganz im Gegenteil, hat die Schauspielerin und Regisseurin Judith von Radetzky mit »Louise Millerin« ein temporeiches, szenisch gut durchdachtes und originelles Bühnenstück inszeniert, das geschickt mit den Mitteln sowohl der Ironie und Übertreibung spielt als auch mit Kontrasten und Brüchen. So sind Frisuren, Kleidung und Gestik der Darsteller ganz von heute, während Schillers Sprache unverändert bleibt.
Man merkt den acht Darstellern an, dass sie sich im Schillerschen Duktus zu Hause fühlen. Frisch und wie improvisiert wirken die ab und zu eingestreuten Anspielungen auf aktuelle Ereignisse – so darf Hofmarschall von Kalb seinen Reitunfall auf die »wieder nicht gestreuten Wege« zurückführen, und um Louise unter Druck zu setzen, wird ihr Vater kurzerhand wegen Steuerhinterziehung eingekerkert.
Felix Würgler spielt diesen Vater, einen angesehenen Stadtmusiker, mit gesunder Skepsis und aufbrausendem Temperament seiner schwatzhaften Frau (Anja Fliess) gegenüber. Theresa Sophie Albert gibt die Titel gebende Bürgerstochter Louise als naive Blondine mit festem Charakter. Die Liebe zwischen ihr und dem Adeligen Ferdinand stürzt sie in heftige Gefühlswallungen und birgt Vorahnungen von drohendem Unheil.
Verkörpert wird dieses durch ein intrigantes Trio, das aus unterschiedlichen Gründen eine Heirat zwischen Louise und Ferdinand verhindern will: André Scioblowski als berechnend-fieser Sekretarius Wurm, Lars Jokubeit als Hofmarschall mit Musterknaben-Scheitel und der großartige Stephan Maria Fischer als machtgieriger, mit allen Wassern gewaschener Präsident, der seinen Sohn mit der herzoglichen Mätresse Lady Milford verheiraten will.
Ein egozentrischer, sehr von sich überzeugter Geck mit Freddy-Mercury-Schnurrbart, Panamahut und weißem Seidenschal ist Kai Arne Janssens Ferdinand, während Anja Marlene Korpiun eine ebenso eitle wie leidenschaftlich-überdrehte Lady Milford abgibt. Die Szene, in der die brünette Schönheit im pfirsichfarbenen Seidenanzug Ferdinand ihren Lebensweg schildert und beide zu Tränen gerührt sind von ihrer Tapferkeit und Güte, gehört zu den Höhepunkten des Stücks.
Hie und da hat die 3-Stunden-Produktion ihre Längen, doch wie das kleine Ensemble es hinbekommen hat, das biedere Trauerspiel aus dem Deutschunterricht zu entstauben und ihm Witz und Komik zu entlocken, ist wirklich sehenswert.“

 

Ich bin überzeugt, dass diese Arbeitsmethode, die die Etüdenarbeit des „späten“ Stanislawski mit der Spielstruktur des italienischen Theaters verbindet und in Paris u.a. von dem „Meister“ selbst (A. Wasilijef) und in Berlin von Judith von Radetzky unterichtet wird ein enorm aktivierender Vitaminstoss und eine, nicht nur, handwerkliche Bereicherung für jeden Profi ist, der/die Freude an seinem Beruf behalten möchte.

Wen es interessiert, der soll sich mal direkt mit dem graphit-theaterlabor, Aktzente und Judith von Radetzky in Verbindung setzen und wer bisher glaubte ein(e) gestandene(r) SchauspielerIn zu sein, wird hier auf arbeitsintensive und erhellende Weise eines besseren belehrt.

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Mr. Spam

Mr. Spam in IT@Jazz.mp3

Das kreative Forum hoertalk.de ist ein Ort, an dem sich jeder eingeladen fühlen soll, der Zeit, Lust und vielleicht auch einfach Talent übrig hat, seiner Leidenschaft im Bereich Hörspiel und „gesprochenes Wort“ gemeinsam mit anderen zu fröhnen. Vom blutigen Laien bis zum Profi versammeln sich hier Enthusiasten, die mit den neuen Medien nach professionellen Massstäben aber bewusst auf der Amateurebene zeigen, was möglich ist: schöpferische Arbeit jenseits der quotengepeitschten Marktkriterien. Einladend und verantwortungsbewusst. Ich empfehle es sehr.

Einer meiner letzten Beiträge war ein podcast im Rahmen der Sendung IT@Jazz bei RadioLora in der Schweiz, wo, begleitet von coolem Jazz, Detectiv Johnson auf der IT-Autobahn die geheimnisvollen „Grössen“, die hinter dem ganzen Internetzauber stehen aufzuspüren sucht. So tritt unter anderem auch „Mr Spam“ auf und gibt einen kleinen Einblick in seine Tätigkeiten….hat Spass gemacht und darum lade ichs hier als mp3 mal hoch.

 

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Der Schädelverkäufer in GERMANIA TOD IN BERLIN im August 09

„Das Sein bestimmt das Bewusstsein!“ Anzunehmen, dass dieses Zitat (Marx?!) gleichsam Pate stand für dieses deutsche Stück oder auch Stück Deutschland. Die geradezu erschütternde Intelligenz und Bildung des Autors war vielleicht auch Last und Fluchtburg zugleich und gerinnt unter anderem, wahrscheinlich auch in Anspielung an den Historiker Theodor Mommsen, in der Figur des Schädelverkäufers. Es geht um Enttäuschung, den trotzigen Willen der Vorwärtsbewegung, das Erkennen, wie Vertrauensgewinn eine kalkulierte Verhandlungsmasse am Grabbeltisch der Ideologien und ihrere Protagonisten wird. Der in die deutsche Geschichte eingeschriebene Zynismus gesellschaftlicher Selbsterziehung ist Müllers Spielzeug. Und er lässt uns alle einen Totentanz feiern, weil der Drang so gross und die Einsicht so gering ist. Ein reizvoller Versuch, Heiner Müllers Stück auf die Bühne zu bringen. Ich durfte mitspielen in dieser inspirierenden Arbeit unter der Regie von Patrick Schimanski am Concordia Theater in Bremen im Juli/August diesen Jahres. Was mir bleibt, ist die persönliche Rührung darüber, wie nah sich Werk und Werkschaffender in Müllers Oevre sind, der wohl genau dies vehement ablehnen würde. Zum Beispiel sagte er mal, dass er eigentlich nicht viel Phantasie hätte, um was zu erfinden – er schriebe auf und zusammen, was da sei. Was aber auch da war, war er selbst in seiner ganz eigenen Mischung aus tiefem Blick mit feiner Sensibilität und einer fast menschenverachtend erscheinenden Ignoranz gegenüber manchen, die sein Leben zeitweise zu teilen versuchten. Was mochte er teilen und wieviel mitteilen? Der Weg eines Künstlers als Mensch, welche Rolle spielt das? Müller wirkt auch selbst sehr deutsch, in seiner Welt von vielen Menschen umringt einsam – und traurig.

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Es fängt frei an mit Regie und Kamera

Kurz nach beginn der Freiberuflichkeit nahm ich die schöne Gelegenheit wahr, die Illustratorin und Malerin Claudia Arend mit der Videokamera auf die Illustrative nach Zürich begleiten zu dürfen. Ziel war, dieses noch junge und anspruchsvolle Format einer messeähnlichen Zusammenkunft von Künstlern aus aller Welt mit einem kleinen spontanen Filmprojekt würdig und augenzwinkernd für all diejenigen ins bewegte Bild zu setzen, die die Gunst der Stunde versäumt hatten, nach Zürich zu kommen und sich von einem Oevre der besonderen Art für ein paar Tage überraschen zu lassen:

Davor hatte gerade MY WAY Premiere:

Mit Ende meiner langen Arbeitsphase als Schauspieler in Festengagements an diversen Stadttheatern, begann ich wieder mit Regiearbeit, die ich vorher lange zurückstellte und gründete mit KollegInnen zusammen theaterfreispiel, eine Assoziation spielender, singender und musizierender Bühnenkünstler, die nicht nach Massgabe ihrer Einordnung als Profi oder Amateur etc. zusammenfanden, sondern Lust und Zeit hatten, auf Grundlage eigener Ideen oder zugreifend auf vorhandenes Material an schönen Orten Leute mit, tja was…, Theater zu unterhalten oder und nachdenklich zu machen. Um die Gründungmitglieder Angelika Hart, Andreas Rüdenauer, Simone von Racknitz und mich gesellten sich binnen weniger Wochen viele weitere Kunstschaffende. Seither wird die kleine Bühne im Kaffeehaus Hagen in Heilbronn regelmässig Donnerstags bespielt:

2008 im Oktober hatte “ MY WAY, The True Story of Frank Sinatra and Ava Gardner“mit A. Rüdenauer als Frank und Simone v.R. als Ava in der Inszenierung von Felix Würgler im Kaffeehaus Premiere und gab damit den gefeierten Startschuss für eine Reihe weiterer Produktionen, mal feierlich, mal ernst, albern oder einfach schwer einzuordnen, die seither das Kulturleben in Heilbronn um eine muntere Facette ergänzen. Wer als Künstler Kontakt zu der jeweils aktiven KünstlerInnengruppe sucht, kann an theaterfreispiel@web.de schreiben.

 

 

 

Die ersten Gedanken beim Weg in den blog

kommtmanohnewortenichtvorwärts……abermitihnenauchnichtweiter? oder auch Rückwärts babeln
1988, als ich anfing mit Theater als Beruf hatte ein junger Mitarbeiter im CERN/Genf seinem Chef gerade einen 17seitigen Entwurf über die Möglichkeiten einer computergestützten internationalen Kommunikationsplattform vorgelegt. Mit dem Kommentar „vage aber aufregend“ versehen war das INTERNET erfunden, eigentlich nur aus Frust eines Informatikers darüber, dass die Wissenschaftler aus aller Welt alle mit ihren eigenen Speicher-und Rechenmaschinen, ihren eigenen Sprachen und Formatierungen zu den Symposien anrückten, ohne jede Kompatibilität. HTML, eine Sprache für alle, setzte eine nicht vorhersehbare Bewegung in Gang…dass uns nicht viel übrig bleibt als uns sachte auf unserem Blog niederzulassen, denn wir sind mittendrin im Getwitter. Es gibt wohl kaum mehr einen Weg raus, höchstens hindurch. H eute T extet M an L eichtfertiger. Ein Fortschritt ist auch immer ein Schritt von etwas weg. Zu einem neuen Turm?

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