Georg Trakl ab 27 März on stage im Theater unterm Dach in Berlin

Die nächsten Termine für „Der Schwester Schatten“ im TuD Berlin:
im Mai: Sa. 8. und So. 9.
im Juni voraussichtlich: Do. 3. und Fr. 4. sowie am Sa. 19. und So., den 20.06.2010
Weitergespielt wird dann im Theater unterm Dach frühestens ab September.
In der Zeitung „Neues Deutschland“ heisst es über die Inszenierung:
Von Lucía Tirado 07.05.2010 / Berlin / Brandenburg

 

Mich der Hölle zu entziehen

Ein Porträt des Dichters Georg Trakl im Theater unterm Dach

Alles passt so wunderbar zusammen in dem Stück über den Dichter, der mit dieser Welt nicht klar kam und sich nicht heimisch fühlte. Das Licht, die auf den Hintergrund der Bühne projizierten Bilder, die Kostüme, die Musik und die auf verschiedene Art genutzten schwarzen dreiteiligen Stellwände, die Zuflucht, Bank, Sarg, sogar Buch sein können. Dazwischen der sich wie rasend verbrauchende Dichter, gequält von verbotenen Gefühlen für seine jüngere Schwester Grete, gepeinigt durch Drogensucht, Ängste, Depressionen und das daraus folgende gestörte Sozialverhalten.

Das berührende Stück »Der Schwester Schatten« erzählt in 90 Minuten vom traurigen Leben Georg Trakls, der von 1887 bis 1914 lebte. Regisseurin Ingrun Aran, die Literatur und Psychologie studierte, inszenierte das Stück mit Schauspielern der Gruppe Okapi Productions in einer Art, die den Zuschauer in Distanz zum Geschehen lässt. Das Leid bleibt beim Dichter, wenn sie seine wichtigsten Lebensstationen beschreibt. So ist die Inszenierung im Theater unterm Dach kein Trauerspiel. Die wenigen Momente, in denen deutlich wird, wie intensiv Trakl Freude und Glück erlebt, sind so stark, dass man das Gefühl bekommt, sie würden ihn ein Stück Weg tragen. Dennoch ist sein Werk von dunkler Stimmung und Abschied geprägt, sei es von Menschen oder gar vom Leben.

Felix Würgler lebt Trakl auf der Bühne als den mit sich selbst ringenden, ständig erschöpften Menschen, der immer wieder sagt: »Ich habe nicht das Recht, mich der Hölle zu entziehen.« Glaubwürdig ist in seinem Spiel, dass dieser sich quälende Mann sich durch seinen Drogenkonsum für den Rest der Welt unerreichbar macht, dabei seine stärksten Werke schafft und sein Leben verbrennt. Leonie Brandis verkörpert die jüngere Schwester Margarethe unnahbar. Gut zeigt sie, wie Grete mitunter mit dem Bruder geradezu herzlos spielt. Aber sie verdeutlicht auch, wie diese junge Frau leidet und sich vor ihrem Bruder in Sicherheit bringt.

Wenn sich beide an Kinderjahre erinnern, dann an eine auch wegen Opiums oft tagelang nicht ansprechbar Mutter und an die Gouvernante, die beide Kinder erzog. Zwischen Bruder und Schwester hin und her gerissen wird der gemeinsame Freund Erhard Buschbeck, der auch immer wieder herhalten muss, wenn das Geld knapp wird, es aber nie zurückbekommt, weil Trakl zu stolz ist, die Gabe eines Mäzens anzunehmen. In dieser Rolle sieht man Henning Bormann. Er spielt, wie der Freund als einziger die Bodenhaftung behält, gleichzeitig jedoch mit in den dunklen Strudel der Ereignisse gezogen wird, wie der sich aufopfert und sich gleichzeitig von der Kreativität Trakls nährt. Die Inszenierung erlangt ihre poetische Schönheit schließlich durch die Traklsche Dichtung, die von der Regisseurin wirkungsvoll eingesetzt wird. Aktualitätsbezüge braucht dieses Stück nicht. Dennoch ergibt sich einer durch den nicht geklärten Tod des Dichters. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wird Trakl als Militärapotheker eingezogen. Er erlebt die Schlacht bei Grodek und verzweifelt daran, dass er unter schwersten Bedingungen den vielen schwer Verwundeten im Lazarett unter den herrschenden schlechten Bedingungen kaum helfen kann. Er verarbeitet seine Erlebnisse noch im Gedicht »Grodek« und erleidet einen Zusammenbruch. Das Unmenschliche des Krieges bringt den ohnehin schwermütigen Dichter um.

8. und 9. Mai, 20 Uhr, Theater unterm Dach, Danziger Str. 101, Prenzlauer Berg, Tel.: 902 95 38 17

 

Meine nächste Premiere findet ebenfalls in Berlin statt.

Grodek.mp3
frisch in Wien.mp3

Fotos: Jakobine Motz aus DER SCHWESTER SCHATTEN2010

Seit Januar probe ich mit Henning Bormann und Leonie Brandis unter den multimedial geschulten Regieaugen von Ingrun Aran an der Uraufführung von Der Schwester Schatten, einer Szenerie, wie die Autorin Inka Bach es nennt, über das Leben und Sterben des EinmalDichters Georg Trakl, der, wäre er nicht mit Mitte 20 an einer Kokainüberdosis in einem Militärlazarett eingegangen, in 4 Jahren 100 Jahre alt werden hätte können….

Eine verhängnisvolle ménage à trois
Georg, seine Schwester Grete und ihr gemeinsamer Freund Erhard studieren in Wien. Drogenexzesse und die heimliche Liebe der Geschwister entwickeln in dieser Zeit kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges ihre zerstörerischen Kräfte. Es ist aber auch die Zeit, in der Georg einige seiner schönsten Gedichte schreibt.

Georg Trakl, dessen 100. Todestag sich 2014 jährt und der mit visionärer Sprachkraft Gedichte schrieb, die einzigartig sind in der deutschsprachigen Literatur, blieb zeitlebens ein Fremder in der Welt und gezeichnet vom Verhängnis der inzestuösen Liebe zu seiner viereinhalb Jahre jüngeren Schwester Grete.

Inka Bachs Theaterstück zeigt ein verhängnisvolles Künstlerschicksal am Vorabend des Ersten Weltkrieges und beabsichtigt keine vorschnelle Aneignung der Traklschen Dichtung durch die Biographie. Gleichwohl werden in der Inszenierung von Ingrun Aran Elemente der Traklschen Dichtung in Rhythmus, Klang und Visualisierung transponiert.

Team
regie/bühne Ingrun Aran
buch/dramaturgie Inka Bach
spiel Felix Würgler, Leonie Brandis, Henning Bormann
kamera Jakobine Motz, Markus Noymann
musik Torsten Sense
musik/sounddesign Helmut Mittermaier
ton Simon Franzkowiak
kostüm Antje Schnier
regieassistenz: Vincent Carrey

Premiere 27. März 2010
20.00 Uhr

VORSTELLUNGEN
28.März
15.-16. April
8.-9. Mai

10. April (in Ausschnitten bei der langen Nacht der Theater)

Theater unterm Dach
Danziger Str. 101 – 10405 Berlin
T. 030 – 90295 3817
Karten: 8€; erm. 5€

gefördert durch
BA Pankow von Berlin, Amt für Kultur und Bildung, Fachbereich Kultur
Künstlerdorf Schöppingen
Kulturforums Österreich
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